Traumatisierung von Fussballfans, 31. Mai 2017

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Vor ungefähr einem Jahr, am 28. Mai 2016, spielte der SV Babelsberg 03 im Brandenburger Pokalfinale gegen den FSV 63 Luckenwalde. Hunderte Fans begleiteten ihr Team ins Werner-Seelenbinder-Stadion und unterstützen sie frenetisch. Nulldrei siegte und zog in die erste Runde des DFB-Pokal ein. Danach gab es kein Halten mehr. Das Team und die Fans wollten gemeinsam feiern. Dazu kam es allerdings nicht. Denn Beamte der Brandenburger Bereitschaftspolizei sowie Bundespolizisten beendeten die Feier durch den großflächigen Einsatz von Reizgas, sodass mindestens 150 Babelsberg-Fans teilweise schwer verletzt und mehrere Hundert traumatisiert wurden. Aus diesem Grund haben wir, der Fanbeirat, das Fanprojekt und der SV Babelsberg 03 uns entschieden, auf Initiative des Netzwerk repressionsbetroffener Nulldreier*innen (nur03*) am Mittwoch, dem 31. Mai 2017, eine Veranstaltung zum Thema „Traumatisierung von Fußballfans“ zu organisieren. Weiterlesen

Bericht zum Spiel gegen Auerbach, 20. Mai 2017

Am Samstag, dem 20. Mai 2017, war der VfB Auerbach zum letzten Spieltag der Regionalligasaison 2016 / 2017 zu Gast beim SV Babelsberg 03 im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion. Nulldrei gewann mit 4:0 und sicherte sich den 5. Platz in der Tabelle. Insgesamt verlief der Spieltag ruhig und entspannt. Wir konnten bis auf Streifenwagen inklusive der Besatzung keine Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei beobachten. Erwähnenswerte Geschehnisse gibt es ebenfalls nicht zu vermelden. So wünschen wir uns jeden Spieltag.

Bericht zum Spiel in Luckenwalde, 14. Mai 2017

Am 14. Mai 2017 spielte der SV Babelsberg 03 am 33. Spieltag auswärts beim FSV 63 Luckenwalde und gewann mit 4:1. Da die Partie in unmittelbarer zeitlicher Nähe zum Jahrestag der „Schande von Luckenwalde“ stattfand, waren bereits die Tage vor dem Spiel angespannt. Insbesondere die Entscheidung des gastgebenden Vereins zu unnötigen Verboten von Material und der Einstufung als sicherheitsbedrohtes Spiel sowie dem angekündigten massiven Polizeiaufgebot, das von derselben Einsatzleitung geführt werden sollte, die bereits im vergangenen Jahr für Chaos, Kommunikationsschwierigkeiten und einen Angriff auf feiernde Nulldrei-Fans verantwortlich war, sorgte für Unverständnis und Unruhe. Lest hierzu den Offenen Brief des Fanbeirat an den FSV 63 Luckenwalde. Hinzu kommt die fortgesetzte Verweigerung zur deeskalierenden Zusammenarbeit mit dem SVB, dem Fanprojekt und den Fan-Gremien, die Schlimmes erahnen ließ. Leider wurden die Befürchtungen am Spieltag selbst noch übertroffen, sodass dieser Spieltag (nicht nur aufgrund des Wetters) neben der Vorkommnisse am 28. Mai 2016 selbst als Höhepunkt der Frechheit und Respektlosigkeit gegenüber Nulldrei-Fans bezeichnet werden muss. Weiterlesen

28. Mai 2016 – Nichts ist vergessen!

Der Spieltag am kommenden Sonntag ist für viele Nulldrei-Fans und auch Verantwortliche beim SV Babelsberg 03 kein ganz normaler Spieltag. Fast ein Jahr nach dem Angriff der Brandenburger Bereitschaftspolizei auf feiernde SVB Fans mit mehr als 150 teilweise schwerverletzten Betroffenen und mehreren hundert Traumatisierten kann dies kein normaler Spieltag sein.

Denn die Ereignisse sind weiterhin nicht vollständig aufgearbeitet. Konsequenzen für die Gewalttäter*innen in Uniform sind nicht in Sicht. Die Gewaltverbrecher*innen ohne Kennzeichnung bleiben ebenfalls weitestgehend unbehelligt. Eine Initiative zur Einrichtung einer unabhängigen Polizeibeschwerde-Stelle im Landtag Brandenburg verläuft im Sande. Änderungen im Umgang mit Fußballfans durch die Polizei Brandenburg sind nicht erkennbar. Und, als ob es am 28. Mai 2016 in Luckenwalde keinen sogenannten Massenanfall von Verletzten (MANV) gab, behauptet die Polizei weiterhin, dass es lediglich 36 Verletzte gegeben haben soll.

Wir, die wir da waren, die Betroffenen, die anwesenden Medienvertreter*innen und selbst Sven Petke wissen, dass das nicht stimmen kann. Wir wissen, dass auch fast ein Jahr nach der sogenannten “Schande von Luckenwalde” durch die Behörden die Ereignisse fortgesetzt verharmlost, die Ermittlungen gegen Beamt*innen verschleppt sowie dementsprechend, als wäre alles ganz normal, auch der folgende Spieltag am 14. Mai 2017 nach dem üblichen Einsatzkonzept ablaufen soll. Dieses Verhalten der Polizei, aber auch des gastgebenden FSV 63 Luckenwalde empfinden wir als Respektlosigkeit oder zumindest als unsensibles Verhalten gegenüber den Betroffenen und den Nulldrei-Fans.

Wir sehen eine hohe Gefahr für Re-Traumatisierungen. Insbesondere die Anwesenheit von Bereitschaftspolizist*innen könnte ein Auslöser dafür sein. Das eskalative Auftreten mit Helmen und Handschuhen sollte deshalb unterbleiben. Wir möchten außerdem darauf hinweisen, dass die Halbgruppen der Bereitschaftspolizei mit der Kennzeichnung 1411 und 1412, aus denen indentifizierbare Gewalttäter*innen kamen, sowie die Halbgruppen 1410, 1431, 1432 und 1433, die ebenfalls in Luckenwalde vor Ort waren, am kommenden Sonntag, aber auch sonst nicht in Zusammenhang mit Spielen des SVB eingesetzt werden sollten.

Wir werden selbstverständlich am kommenden Sonntag in Luckenwalde sein. Wir werden besonders aufmerksam beobachten und hinsichtliche re/traumatisierter Fans besonders sensibel reagieren.

NICHTS IST VERGESSEN!

SVB zur Aufarbeitung der Polizeigewalt in Luckenwalde

In der letzten Ausgabe des “Ultra Unfug” zum Brandenburg Derby erschien ein Interview des Fanbeirat mit Christian Lippold, dem Sicherheitsbeauftragten des SV Babelsberg 03, zu den Vorkommnissen in Luckenwalde. Darin wird erstmals sehr ausführlich und detailiert der Einsatz aus Sicht des verantwortlichen beim SVB öffentlich aufgearbeitet.

Im Interview benennt Lippold ausdrücklich eigene Fehleinschätzungen, falsche Entscheidungen, Kommunikationsschwierigkeiten mit der Polizei und einen erschreckend abweisenden FSV 63 Luckenwalde beziehungsweise Fußball-Landesverband Brandenburg, was im Ganzen zur Polizeigewalt gegen feiernde Fans geführt hat. Damit übernimmt der SVB vertreten durch Lippold nicht nur die Verantwortung, sondern leistet endlich einen wichtigen Teil für die nachträgliche Aufarbeitung.

Jetzt fehlt nur noch die kritische Aufarbeitung der Ereignisse durch die Brandenburger Polizei, die zu den bereits mehrfach geforderten Konsequenzen für die Gewalttäter*innen in Uniform und zu einer grundsätzlichen Überarbeitung der Einsatzkonzepte führen müssen. Auch der FLB und der FSV 63 Luckenwalde haben bislang ihre Verantwortung für die Ereignisse nicht aufgearbeitet, geschweige denn sich für ihre Versäumnisse bei den betroffenen Babelsberg-Fans entschuldigt.

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Bericht zum Spiel in Meuselwitz, 7. Mai 2017

Am vergangenen Sonntag war der SV Babelsberg 03 am 32. Spieltag der Regionalligasaison 2016 / 2017 zu Gast beim Zipsendorfer Fußballclub in der bluechip Arena in Meuselwitz. Die Partie begann um 13:30 Uhr und endete mit einem souveränen 2:0 für Nulldrei. Insgesamt haben wir zwei Minibusse der thüringischen Bereitschaftspolizei gezählt. Das heißt, dass mindestens zwei Halbgruppen im Einsatz waren. Der Ordnungsdienst der Gastgeber*innen war zurückhaltend. Insgesamt verlief der Spieltag entspannt und ohne besondere Vorkommnisse. Ärgerlich und unnötig war allerdings, dass die Getränke nur durch ein Gitter verkauft wurden.

Bericht zum Spiel gegen Energie Cottbus, 28. April 2017

Am 28. April 2017 war am 31. Spieltag der Regionalligasaison 2016 / 2017 der FC Energie Cottbus zu Gast beim SV Babelsberg 03. Das Spiel begann auf Intervention der Polizei bereits um 18 Uhr und endete mit 2:1 aus Sicht von Nulldrei. Rund um den Spieltag war die Polizeipräsenz sehr hoch. Auch der Ordnungsdienst wurde aufgrund der Brisanz massiv erhöht. Insgesamt waren augenscheinlich alle Einheiten der Brandenburger Bereitschaftspolizei im Einsatz. Das heißt, es dürften mindestens 400 Beamt*innen vor Ort gewesen sein. Laut einer Erklärung des SVB wurden zusätzlich insgesamt circa 150 Ordner*innen inklusive 18 Ordner*innen des FCE eingesetzt.

Diese geballte Ordnungs- beziehungsweise Repressionsmacht konnte allerdings weder diskriminierende und neonazistische Gesänge sowie Banner noch einen Platzsturm und andere Gewalt durch Neonazis verhindern, die in erster Linie von einer circa 50-köpfigen Gruppe vermummter Hooligans der Gruppen Inferno Cottbus, Unbequeme Jugend und New Society Chemnitz ausging. Laut Informationen der Polizei kam es insgesamt zu repressiven Maßnahmen gegenüber 19 Personen. Fünf der laut Polizei Betroffenen sind Nulldrei-Fans. Wir haben aber mindestens zwei weitere Maßnahmen gezählt. Außerdem gehen wir davon aus, dass im Zuge der Auswertung der Photo- und Filmmaterialien weitere Fans betroffen sein werden. Weiterlesen

Projektbezogene statt befristete Stellen im Fanprojekt

Die Diskussion um die Entlassung beziehungsweise nicht Verlängerung des Vertrages von Bastian Babelsberg für das Fanprojekt Babelsberg läuft noch und die Verantwortlichen in der Stiftung SPI beweisen erneut, dass sie keinerlei Gespür für Fanarbeit im Allgemeinen und kein Interesse am Erfolg des Fanprojekts im Besonderen haben. Die Herren Zabarowski und von Essen haben offensichtlich nichts dazu gelernt. Statt Kontinuität und Sicherheit für die Fanarbeit setzen sie weiterhin auf prekäre Arbeitsverträge. Statt projektbezogen auszuschreiben, veröffentlichten sie in den vergangenen Tagen erneut eine für ein Jahr befristete Stelle für das Fanprojekt.

Wir fragen uns, was noch alles passieren muß, bis die Verantwortlichen in der Stiftung SPI endlich schnöde unternehmerische Interessen Beiseite schieben und endlich eine erfolgreiche Fanarbeit ins Zentrum ihrer Personalentscheidungen stellen. Ein Weg hierzu wäre, nicht vorschnell und unvernünftig zu handeln, sondern sich mit ihren unmittelbaren Partnern SV Babelsberg 03 und der Stadt Potsdam abzusprechen. In diesem Zusammenhang haben wir einen Vorschlag an die Stiftung SPI:

Aus unserer Sicht die vernünftigste und beste Lösung, aus dem selbstgeschaffenen Dilemma zu kommen, ist, die sofortige Wiedereinstellung von Bastian mit einem projektbezogenen Vertrag. Alles andere wäre Quark.

Die Stellenausschreibung ist übrigens hier zu finden. Eine sehr gute Stellungnahme zur Verfahrensweise des SPI mit Bastian Schlinck vom SVB ist hier zu finden. Und wer sich umfassend über den gesamten Vorgang, die Argumente der verschiedenen Partner und Parteien informieren möchte, sollte den Artikel auf der Seite des neuen deutschland lesen.

Bericht zum Spiel beim BFC Dynamo, 23. April 2017

Am gestrigen Sonntag, dem 23. April 2017, spielte der SV Babelsberg 03 im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gegen den Berliner Fußball-Club Dynamo. Die Partie am 30. Spieltag der Regionalligasaison 2016/2017 begann ungefähr um 13:30 Uhr und endete nach der zwischenzeitlichen Führung mit 1:2 aus Sicht von Nulldrei. Der Spieltag selbst verlief weitestgehend ruhig und entspannt. Insgesamt haben wir mindestens 60 Beamt*innen der Bereitschaftspolizei, mehrere Streifenwagenbesatzungen sowie mehrere sogenannte fankundige Beamt*innen (FKB) der Bundespolizei aus Berlin gezählt. Ärgerlich und unnötig waren lediglich das provozierende und übermotivierte Auftreten der Berliner Bereitschaftspolizei, aber auch des Ordnungsdienstes der Gastgeber. Ohne die Ordner*innen des SVB hätte es leicht in mindestens zwei Situationen zu einer Eskalation kommen können.

Entgegen dem vor dem Spieltag verbreiteten Brief der Berliner Polizei an die Fans verhielten sich die Beamt*innen am Spieltag weder kooperativ noch kommunikativ. Stattdessen bewaffneten sich die eingesetzten Bereitschaftspolizist*innen in der Halbzeitpause durch Aufsetzen ihrer Helme und das Anlegen von Handschuhen passiv, ohne zuvor das deeskalierende Gespräch mit den Fans zu suchen. Der Ordnungsdienst stand dem eskalativen Verhalten der Polizei in nichts nach. Sowohl beim Einlass, während der Halbzeitpause als auch beim Verlassen des Gästeblocks fielen die Ordner*innen negativ unter anderem durch eindeutige, gewaltsuchende Gesten auf. Darüber hinaus wurde auf Anordnung der Berliner Polizei ohne vorhergehende Ankündigung der Verkauf alkoholischer Getränke untersagt. Weiterlesen

Bericht zum Spiel gegen Hertha BSC II, 19. April 2017

Am vergangenen Mittwoch, den 19. April 2017, spielte der SV Babelsberg 03 zu Hause gegen die Reserve von Hertha BSC. Die Partie am 29. Spieltag der Regionalligasaison 2016 / 2017 begann circa 19 Uhr und endete nach einer desaströsen Leistung der Aktiven mit 1:3 aus Sicht von Nulldrei. Wir haben an diesem Abend einen Mini-Bus der Bundespolizei und vier Minibusse (sogenannte Halbgruppenfahrzeuge) der Brandenburger Bereitschaftspolizei gezählt. Hinzu kommt ein silberner VW-Mini-Bus der sogenannten fankundigen Beamt*innen (FKB) der Bundespolizei aus Berlin sowie mindestens ein Streifenwagen der Potsdamer Polizei. Das heißt, insgesamt waren ungefähr drei Dutzend Beamt*innen in Uniform und in Zivil im Einsatz. Hinzu kommen auffällig viel neue Ordner*innen des SVB, die besonders motiviert und gründlich kontrolliert haben. Generell verlief der Spieltag ohne besondere Vorkommnisse.

Die Anreise beziehungsweise Ankunft der Heim- und Gäste-Fans wurde von mehreren sogenannten Halbgruppen der Bundes- und Bereitschaftspolizei überwacht. Auf dem Bahnsteig des S-Bahnhof Babelsberg wartete ein Gruppe auf die ankommenden Fans. In unmittelbarer Nähe zum Ausgang zur Karl-Liebknecht-Straße waren ein Mini-Bus der Bundespolizei, ein Mini-Bus der Brandenburger Bereitschaftspolizei sowie ein Mini-Bus der FKB aus Berlin abgestellt. Am Rathaus überwachte eine weitere Gruppe die Ankunft der Fans. Zwei zusätzliche Mini-Busse und ein Streifenwagen patrouillierten im Kiez. Während des Spiels waren die Beamt*innen nicht zu sehen. Sie standen diesmal auch augenscheinlich nicht im Sektor G und F, wo sie bei anderen Spielen die Fans überwachten (beziehungsweise oft auch nur das Spiel schauten).

Nach dem Spiel überwachten mindestens zwei Gruppen der Brandenburger Bereitschaftspolizei die Abreise der Gäste-Fans. So wurden diese vom Stadion bis zum Bahnhof begleitet. Auf dem Bahnsteig des S-Bahnhof Babelsberg postierten sich jeweils eine Gruppe links und rechts der Gäste-Fans. Zusätzlich überwachte ein Kamerateam den Zugang von der Karl-Liebknecht-Straße. Eine der Gruppen begleitete die Gäste außerdem bis Wannsee. Im Kiez selbst patrouillierten wie schon vor dem Spiel bis lange nach Abpfiff zwei Mini-Busse der Bereitschaftspolizei.

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