Bericht zum Spiel in Auerbach, 11. Dezember 2016

Am Sonntag, dem 11. Dezember 2016, gastierte der SV Babelsberg 03 auswärts beim VfB Auerbach. Das 17. Spiel in der Regionalligasaison 2016 / 2017 begann um circa 13:30 Uhr und endete mit 3:1 aus Sicht von Nulldrei. Damit beendete der SVB die Hinrunde mit 8 Siegen, 5 Niederlagen und 4 Unentschieden. Der Spieltag verlief entspannt und ohne besondere Vorkommnisse. Die Anreise der Nulldrei-Fans wurde nicht überwacht. In Auerbach selbst waren drei Einsatzbusse (Halbgruppenfahrzeuge) beziehungsweise ungefähr 20 Bereitschaftspolizist*innen im Einsatz, die sich aber im Hintergrund hielten. Die sanitäre Situation und Versorgung waren in Ordnung, wobei erwähnt werden muss, dass das vegetarische Angebot eingeschränkt und schon in der ersten Halbzeit ausverkauft war. Außerdem fiel negativ auf, dass am Einlass keine weibliche Security vor Ort waren. Offenbar gehen die Vereinsoffiziellen in Auerbach davon aus, dass lediglich Männer* zum Fußball gehen oder kontrolliert werden sollen.

Bericht zum Luckenwalde Spiel, 2. Dezember 2016

Am Freitagabend, dem 2. Dezember 2016, war der FSV 63 Luckenwalde am 16. Spieltag der Regionalligasaison 2016 / 2017 zu Gast im Karl-Liebknecht-Stadion. Das Partie begann um 19:00 Uhr. Es gewann der SV Babelsberg 03 mit 2:0. Im Stadion haben wir lediglich die bekannten Streifenbeamt*innen beobachtet. Ob Bereitschaftspolizist*innen anwesend waren, ist uns nicht bekannt. Andere besondere Vorkommnisse gab es nicht.

Bericht zum Spiel gegen den ZFC, 26. November 2016

Der SV Babelsberg 03 spielte am 26. November 2016 gegen den ZFC Meuselwitz. Die Partie zum 15. Spieltag der Regionalligasaison 2016 / 2017 begann um 13:30 Uhr und endete mit 2:0 aus Sicht von Nulldrei. Der Tag verlief entspannt. Es war mindestens eine Halbgruppe der Bereitschaftspolizei im Einsatz, die von der Tribüne die Fans überwachte. Weitere Beamt*innen waren offenbar explizit zur “Betreuung” des Böhmischen Weihnachtsmarktes auf dem Weberplatz abgestellt. Besondere Vorkommnisse gab es nicht.

Luckenwalde 28. Mai 2016 – Nichts ist vergessen!

Am 29. Mai 2016, genau vor einem halben Jahr sowie einen Tag nach der schockierenden und traumatisierenden Polizeigewalt beim Landespokalfinale fasste der SV Babelsberg 03 die Ereignisse in Luckenwalde in einer Erklärung mit folgenden Worten zusammen:

Das aggressive Verhalten der Polizei, die absichtliche Trennung der Mannschaft von den Fans und die Verweigerung des deeskalierenden Eingreifens unseres Sicherheitsdienstes führten dann in Summe zur bekannten Eskalation nicht nur auf dem Spielfeld und im Gästeblock, sondern auch im Eingangsbereich des Stadions.

Momentan sichtet der Verein, Babelsberg 03, das vorhandene Video- und Fotomaterial aus eigener Produktion der vereinseigenen Medien. Bei einer ersten Sichtung, schon am gestrigen Abend, wurde jedoch klar, dass die Polizei in jedem Falle unverhältnismäßig und mit überharter und teils rücksichtsloser Gewalt handelte. Selbst vereinseigene Ordner wurden auf dem Rasen mit Reizgas bedacht.

Babelsberg 03 wird am Anfang der kommenden Woche eine weitere ausführliche Stellungnahme mit entsprechenden Foto- und Videobeweisen veröffentlichen.

Statt der ausführlichen Stellungnahme und Konkretisierung der Vorwürfe folgte am 31. Mai 2016 mit der gemeinsamen Erklärung der Vereine, des Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) und der Polizei eine Rolle rückwärts, die nur so vor Diffamierungen gegen die Nulldrei-Fans strotzte. Es wurden sogar nicht davor zurück geschreckt, einen Angriff auf aktive Fans zur Rechtfertigung von Gewalt gegen eben diese zu wenden. Es wurden Spekulationen, Halb- und Unwahrheiten sowie dreiste Lügen verbreitet.

Diese Erklärung des Vereins ist das im wahrsten und auch im sprichwörtlichen Sinne Letzte, was den Fans und Vereinsmitgliedern gegenüber seitdem offiziell und öffentlich verlautbart wurde. Von Empathie und Solidarität ist seit einem halben nix zu hören. Statt Unterstützung gibt es nur Schweigen!

LUCKENWALDE 28. MAI 2016 – NICHTS IST VERGESSEN!

Bericht zum Spiel in Cottbus, 19. November 2016

Am 19. November 2016 war der SV Babelsberg 03 auswärts im Stadion der Freundschaft beim FC Energie Cottbus zu Gast. Das 14. Spiel in der Regionalligasaison 2015 / 2016 begann um aufgrund der Live-Übertragung durch den Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) um 14:05 Uhr und endete mit 0:3 aus Sicht von Nulldrei. Der Spieltag verlief trotz der Brisanz weitestgehend ruhig. Insgesamt waren mindestens 200 Bundes- und Bereitschaftspolizist*innen sowie mindestens vier fankundige Beamt*innen aus Berlin und weitere aus Cottbus im Einsatz, welche die Babelsberg-Fans sowohl bei der Anreise, am Einlass, beim Spiel und bei der Rückreise überwachten. Wir gehen aber davon aus, dass am Spieltag weit mehr als die für uns nachvollziehbaren 200 Beamt*innen im Einsatz waren. Bis auf die permanente Überwachung der Änhänger*innen auch durch mobile Video- und Fotokameras, eine unnötige Provokation beim Zurücklaufen der Fans vom Stadion zum Bahnhof, haben wir keine repressiven polizeilichen Maßnahmen beobachtet. Erwähnt werden müssen die anti-antifaschistischen und antisemitischen Tags in der Innenstadt wie zum Beispiel “Zecke verrecke”, “Babelsberg vergasen”, “Juden Babelsberg” und “Juden Nulldrei” sowie der Sexismus des Cottbusser Sicherheitsdienstes und Anhangs.

Isgesamt haben wir über 20 Halbgruppen mit den Kennzeichnungen 1000-1004, 1110-1113, 1122, 1133, 1401-1403, 1410-1414, 1422, 1423, 1234, 1500, 1542 sowie 1532 beobachtet, welche die Babelsberg-Fans überwachten. Hinzu kommen mindestens vier fankundige Beamt*innen, die bereits am Trefffpunkt der aktiven Fans in Babelsberg die Überwachung begannen, noch einmal in Berlin auf dem Bahnsteig waren und auch in Cottbus die Überwachung fortsetzen. Außerdem konnten wir vier weitere Beamt*innen in zivil beobachten, die in einem silbernen PKW unterwegs waren und ebenfalls die Gäste-Fans überwachten. Während des gesamten Spiels überwachten zwei Beamt*innen mit der Kennzeichnung 1512 mit einer mobilen Videokamera und einer Fotokamera den Gästeblock. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass der Polizist* mit der Fotokamera über mehrere Minuten offenbar Portrait-Bilder von einzelnen Babelsberg-Fans gemacht haben muss. Für uns erschließt sich nicht, wie diese Überwachungsmaßnahme rechtlich gerechtfertigt ist. Wir werden deshalb gegebenenfalls prüfen lassen, was dagegen unternommen werden kann und informieren euch. Außerdem überwachten circa 40 bis 50 Bundespolizist*innen die Fans bei der Anreise ab Königs Wusterhausen sowie bei der Rückreise bis zum Hauptbahnhof Potsdam. Weiterlesen

Verhalten bei brisanten Auswärtsspielen

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Der SV Babelsberg 03 ist zu einem brisanten Spiel auswärts unterwegs. Viele Nulldrei-Fans werden ihrem Team folgen. Wir werden selbstverständlich auch anwesend sein und sind besonders aufmerksam. Wir gehen davon aus, dass am Spieltag ein massives Polizeiaufgebot im Einsatz ist und uns die meiste Zeit begleiten wird. Deshalb möchten wir euch an dieser Stelle einige kurze Hinweise und Tipps mit auf den Weg geben. Weiterlesen

Zwei Monate nach dem Dossier – der SVB schweigt

Am 12. September 2016 wurde das Dossier 28. Mai 2016 – Polizeigewalt in Luckenwalde zur Aufarbeitung der Vorkommnisse beim Landespokalfinale am 28. Mai 2016 sowie die gleichnamige Video-Dokumentation zur exzessiven Gewalt gegen Fans des SV Babelsberg 03 veröffentlicht. Das ist nun schon zwei Monate her.

Nur einen Tag später erreichte uns auf informellen Weg eine Mitteilung, in der ausdrücklich allen am Dossier Beteiligten – dem Fanbeirat und dem Netzwerk für repressionsbetroffene Nulldreier*innen (nur03*) – für die Arbeit gedankt wird. Darüber hinaus wurden wir darüber informiert, dass mehrere Vertreter*innen der Landespolitik auf den Vorstandsvorsitzenden des SV Babelsberg 03, Archibald Horlitz, zugekommen seien. Die Politik wollte offenbar den Polizeipräsidenten zu einer Erklärung beziehungsweise Richtigstellung drängen, hieß es weiter. Außerdem wurde uns gegenüber angekündigt, dass nach einer solchen Richtigstellung durch die Politik eine öffentliche Erklärung des Vereins mit konkreter Kritik und Forderungen folgen sollte. Hierbei sollten insbesondere die Nichtkennzeichnung der Beamt*innen, der exzessive Reizgas-Einsatz sowie der prügelnde Sanitätspolizist* skandalisiert werden. Weiterlesen

Bericht zum Spiel gegen den BFC, 6. November 2016

Am 6. November 2016 trafen zum Spitzenspiel in der Regionalliga 2016 / 2017 der SV Babelsberg 03 und der Berliner Fußball-Club Dynamo im Karl-Liebknecht-Stadion aufeinander. Die Partie begann aufgrund der Übertragung durch den Rundfunk Berlin-Brandenburg pünktlich um 14:05 Uhr. Aufgrund der sportlichen und politischen Brisanz war ein großes Polizeiaufgebot im Einsatz, das für eine strikte Fan-Trennung sorgen und so Auseinandersetzungen zwischen den Fans verhindern sollte. Wie bereits bei den vorhergehenden Spieltagen gegen den BFC ging das Einsatzkonzept nicht vollständig auf, sondern es kam wie schon vor zwei Jahren bei der Abreise der Berliner Nulldrei- und BFC-Fans zu Auseinandersetzungen.

Insgesamt haben wir mindestens 16 Gruppen der Brandenburger Bereitschaftspolizei gezählt. Diese hatten die Kennzeichnung 1001, 1102, 1111, 1112, 1113, 1121, 1122, 1123, 1131, 1132, 1133, 1212, 1221, 1411, 1412 sowie 1500. Hinzu kommen mehrere Streifen-Polizist*innen. Außerdem waren mehrere sogenannte fan- und szenekundige Beamt*innen sowie Zivil-Polizist*innen der sogenannten „Einsatzgruppe Hooligans“ (EgH) und des Polizeilichen Staatsschutz des Landeskriminalamt Berlin der Gruppe „Politisch motivierte Kriminalität Links“ vor Ort. Wir gehen deshalb insgesamt von mindestens 150 Beamt*innen beziehungsweise der Anwesenheit sämtlicher Brandenburger Einsatzhundertschaften aus. Deshalb dürfte die Zahl weit höher gewesen sein. Weiterlesen

Bericht zum Spiel bei Hertha BSC II, 30. Oktober 2016

Am Sonntag, dem 30. Oktober 2016, gastierte der SV Babelsberg 03 am 12. Spieltag der Regionalligasaison 2016 / 2017 im Amateurstadion von Hertha BSC. Die Partie begann um 13:30 Uhr und endete mit 2:2 unentschieden. Der Spieltag selbst verlief für die Fans ruhig und entspannt. Es waren mindesten zwei Halbgruppen der Bereitschaftspolizei im Einsatz, die allerdings bis auf eine Situation bei der Abreise im Hintergrund blieben und sich zurück hielten. Hierbei stellte sich ein* Polizist*, offenbar der Einsatzleiter*, unmittelbar neben die Fans, die ihr Material zusammenlegten und verpackten. Aus welchen Grund diese Beobachtung nötig war, wurde nicht erläutert. Ein derartiges provozierendes und unnötiges Verhalten der Beamt*innen sollte durch die anwesenden Beamt*innen und vor allem durch die Einsatzleitung unterlassen werden.

Informelle Gespräche und Ankündigungen reichen nicht!

Heute, fünf Monate nach der Polizeigewalt beim Landespokalfinale in Luckenwalde, veröffentlichte der Fanbeirat Babelsberg ein Schreiben des Polizeidirektors der Direktion West (pdf-Dokument) Karsten Schiewe, nutzte es, um Forderungen zu ergänzen, sowie kommentierte den Inhalt des Schreibens. Der „Fanbrief“ richtet sich an die „Fans des SV Babelsberg 03“ und wurde an den SV Babelsberg 03, den Fanbeirat und das Fanprojekt Babelsberg gesendet. Darin geht es zum einen um die interne Prüfung der Vorkommnisse sowie die Vorwürfe gegen die Polizei als auch andererseits um die vermeintlich gemeinsame Aufarbeitung der Ereignisse bei ergänzenden Gesprächen zwischen Polizei, Verein und Fans.

Der Fanbeirat veröffentlichte dieses Schreiben, weil er keine Lust mehr auf „[i]nformelle Gespräche und Ankündigungen durch die Polizei und Verantwortliche des SV Babelsberg 03“ hat. Außerdem sollen die beiden Vereine, der Fußball-Landesverband Brandenburg und die Polizei „endlich Verantwortung für den durch nichts zu rechtfertigenden Angriff auf Nulldrei-Fans“ übernehmen.

Darüber hinaus kommentiert der Fanbeirat den Inhalt des Schreibens. Für uns besonders erschreckend ist hierbei nicht nur, dass die Polizei Brandenburg weiterhin an ihren Märchen festhält sondern dass die interne Aufarbeitung der Vorkommnisse offenbar maßgeblich von der Täter-Institution geführt wurde und der Rechtsbruch der fehlenden Kennzeichnung gerechtfertigt wird.

Wir möchten uns an dieser Stelle beim Fanbeirat für die Veröffentlichung bedanken. nur03* schließt sich außerdem den vier Forderungen an, die im Kommentar zum Schreiben formuliert wurden. Diese sind:

1. Wir erwarten von der Polizei Brandenburg, dass endlich die Zahlen zu den verletzten Fans überprüft und korrigiert werden. Es muss endlich anerkannt werden, dass es eine sehr viel höhere Zahl an durch Reizgas verletzte Personen sowie einige schwerverletzte Fans gab. Die Öffentlichkeitsfahndung nach einem vermeintlich schwerverletzten Fan bestätigt diese indirekte Korrektur der Zahlen bereits. Hier fehlt aber eine explizite und öffentliche Entschuldigung für die Verbreitung falscher Zahlen und Korrektur derselben.

2. Wir fordern weiterhin, dass die Polizei auf den Einsatz von Reizgas im Stadion und in großen Menschenmengen verzichtet. Die Ereignisse in Luckenwalde beweisen erschreckend, dass beim exzessiven Einsatz von Reizgas zwangsläufig eine sehr große Zahl von Menschen betroffen ist und so Panik, Angst und Traumatisierungen bewusst riskiert werden. Der Einsatz steht deshalb in keinem Verhältnis zum Ziel, ist durch nichts zu rechtfertigen und sollte deshalb unterlassen werden.

3. Wir weisen erneut nachdrücklich darauf hin, dass in Luckenwalde dutzende Menschen nicht nur verletzt, sondern auch traumatisiert wurden. Dies beweisen die bekannten offenen Briefe sowie die zahlreichen Augenzeugenberichte, die vor allem die Panik, die Angst und die Verzweiflung der Fans schildern. Hierbei ist zu beachten, dass jene Fans, die weiterhin zum Fußball gehen, an jedem Spieltag durch den Anblick gepanzerter und uniformierter Bereitschaftspolizisten an die vermummten Gewaltverbrecher in Luckenwalde erinnert und so womöglich re-traumatisiert werden können. Aus diesem Grund erwarten wir von der Polizei Brandenburg die traumatisierten Betroffenen endlich als Teil der Opfer von Polizeigewalt zu betrachten. Damit muss ausdrücklich eine Änderung im Verhalten gegenüber den Fans einhergehen. Dazu gehört zunächst diese Gruppe Betroffener explizit zu benennen, in den Einsatzbesprechungen dieses Thema zu reflektieren sowie auf re-traumatisierendes Verhalten im Umgang mit den Babelsberg-Fans zu verzichten.

4. Wir wollen endlich wissen, gegen wie viele Beamte genau und wegen welcher Straftatbestände ermittelt wird. In bilanzziehenden Presseerklärungen wird regelmäßig nach Fußballspielen veröffentlicht, gegen wie viele Personen auf Grundlage welcher vermeintlicher Straftaten vorgegangen wurde. Im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Polizisten fehlen diese Angaben. Es ist deshalb völlig unklar, ob auch gegen jene Beamte ermittelt wird, die exzessiv und durch nichts gerechtfertigt Reizgas versprüht haben. Darüber hinaus ist nicht bekannt, ob die gewalttätigen Beamten, die so viele Fans verletzt und traumatisiert haben, weiterhin im Einsatz sind und eventuell auch bei Spielen des SV Babelsberg 03 eingesetzt werden. Das heißt, bei jedem Kontakt mit Bereitschaftspolizisten müssen die Fans davon ausgehen, dass sie erneut mit jenen Beamten konfrontiert sind, die sie in Luckenwalde verprügelt und mit Reizgas eingesprüht haben. Für eine echte Aufarbeitung sind Informationen zu den Tatbeständen, den daraus folgenden Ermittlungen sowie mögliche Konsequenzen für die Beamten unumgänglich.

GEMEINSAM GEGEN POLIZEIGEWALT!