Bericht zum Pokalspiel gegen Cottbus, 15. April 2015

Am 15. April 2015 war der FC Energie Cottbus zum Halbfinalspiel des Brandenburger Landespokals zu Gast im Karl-Liebknecht-Stadion. Das Spiel verlor der SV Babelsberg 03 mit 0:2.

Das Aufgebot an Sicherheitskräften an diesem Spieltag war erwartungsgemäß sehr hoch. Es wurden alle vier Einsatzhundertschaften der Brandenburger Bereitschaftspolizei inklusive der angegliederten Beweissicherungseinheiten (BFE) eingesetzt, die um Einheiten der Bundespolizei ergänzt wurden. Bereits sehr früh bewegten sich mehrere Dutzend Polizeifahrzeuge durch Babelsberg. Hinzu kamen zwei VW-Busse (rot und grün) von Polizeibeamt*innen, die zunächst in der Nähe des Bahnhofs Babelsberg parkten.

Einige Fans des SV Babelsberg 03 trafen sich um 16:45 Uhr am Lutherplatz. Bereits zu diesem Zeitpunkt befand sich der rote VW-Bus der Polizist*innen in zivil in unmittelbarer Nähe und fotografierte die wartenden Fans mit Hilfe eines Statives. Es besteht die Möglichkeit, dass zu diesem Zeitpunkt Porträtfotografien der Wartenden gemacht wurden. Als die Fans sich in Bewegung setzten, wurde der Zug aus diesem VW-Bus heraus permanent abgefilmt. Die Begleitung durch die Bereitschaftspolizei war zunächst zurückhaltend, was sich aber circa auf Höhe des Restaurants und Pension Unicat änderte. Ab dort wurden die Fans links und rechts durch eine lose Reihe Beamt*innen flankiert. Außerdem wurde zusätzlich von der rechten Seite durch eine*n Beamt*in der Zug der Fans abgefilmt.

In unmittelbarer Nähe der (Haupt-)Kassen und des Einlasses zum Karl-Liebknecht-Stadion befand sich eine Beweissicherungseinheit, die bei mindestens zwei Einlasskontrollen zusätzliche Durchsuchungen der Fans durchführte. In mindestens einem Fall hatte dies zur Folge, dass die betroffene Person zur Personalienfeststellung abgeführt und im Ergebnis dieser Maßnahme nicht ins Stadion gelassen wurde. Im Stadion selbst waren neben den üblichen privaten Sicherheitskräften auch Polizist*innen im Einsatz. Besonders unpassend und nicht nachvollziehbar war, dass Beamt*innen auch im originären Heimbereich in der Gegengerade postiert waren. So standen vier Polizist*innen am Einlass zur Gegengrade. Entweder zwei weitere oder zwei zusätzliche Polizist*innen (BB 1331 41657, BB 1331 49287) patrouillierten schon lange vor dem Spiel sowohl durch die Blöcke als auch auf dem Weg hinter der Gegengrade. Hinter dem Pufferblock wurde wie bereits beim Spiel gegen den 1. FC Magdeburg und gegen den BFC Dynamo eine Hebebühne postiert. Von dort filmte jeweils ein*e Beamter*in ab circa 10 Minuten vor Anpfiff sowohl die Nordkurve als auch den Gästeblock. Zusätzliche Kräfte ergänzten die Ordner*innen sowohl im Pufferblock als auch auf der Tribüne in unmittelbarer Nähe des Gästeblocks.

Am Spieltag waren mehrere polizeiliche Maßnahmen zu beobachten. Zum einen wurden die Fans bereits sehr früh, ohne nachvollziehbaren Grund sowie ohne Information über diese Überwachungsmaßnahme fotografiert und abgefilmt. Es gab mehrere Personalienfeststellungen. Außerdem übernahm mindestens eine Gruppe der BFE teilweise Ordner*innenaufgaben und durchsuchte Fans. Darüber hinaus sind in der Halbzeitpause mindestens drei Personen in der Gegengrade in Gewahrsam genommen worden. Dies geschah ohne Rücksprache mit Verein und Ordnungsdienst unter massiver Gewaltanwendung. Weitere erwähnenswerte Maßnahmen waren die Entfernung eines unerträglichen Banners mit der Aufschrift „ZCKN, ZGNR & JDN“ (dies soll wahrscheinlich für „Zecken, Zigeuner und Juden“ stehen) im Gästeblock und einer Tapete mit der Aufschrift „NazIsChweine“ in der Nordkurve durch Ordner*innen des SV Babelsberg 03. Während es bei ersterem um eine klare Missachtung der Stadionordnung handelt, ist der Ordnungsdienst bei zweiterem einer Erklärung zur Entfernung schuldig geblieben. Außerdem wurde der Bahnhof S-Babelsberg bis circa 1 ½ Stunden nach dem Spiel für abreisende Babelsberg-Fans gesperrt, obwohl sich zu diesem Zeitpunkt keine Cottbus-Fans mehr auf dem Bahnhof befanden.

Sowohl die präventiven Maßnahmen, wie zum Beispiel die Überwachung und die Durchsuchung der Fans, als auch die patrouillierenden Beamt*innen in der Gegengrade, die Sperrung des Bahnhofs Babelsberg lange nach Spielende sowie die repressiven Maßnahmen waren nicht nachvollziehbar und wurden nicht angekündigt. Vielmehr wurde von Beginn an eine Atmosphäre der permanenten Kontrolle erzeugt, die offensichtlich die Einschüchterung der Fans zum Ziel hatte und willkürliche Interventionen durch die Polizei ermöglichen sollte. Dies widerspricht der gelebten Offenheit des SV Babelsberg 03. Darüber hinaus gibt der Verein sein Hausrecht widerspruchslos an die Polizei ab. Diese Polizeimaßnahmen sollten in jedem Fall überdacht und die Anwesenheit von Polizeibeamt*innen innerhalb des Zuschauer*innenbereichs im Karl-Liebknecht-Stadion unterlassen werden.

+ + U P D A T E + + Uns wurde berichtet, dass trotz des hohen Polizeiaufgebots eine Gruppe von 20 bis 30 Fans des FC Energie Cottbus ohne Begleitung aus der „Plantagenklause“ in der Rudolf-Breitscheid-Straße kommend erneut unmittelbar am Fanladen in der Karl-Gruhl-Straße vorbei zur Gästekurve zogen. An der Ecke Grenz- / Karl-Liebknecht-Straße hielt sich diese Gruppe länger auf und pöbelte in Richtung Heimfans. Es soll auch Angriffe gegeben haben, was allerdings bislang nicht bestätigt werden konnte. Diese Gruppe wurde nach einiger Zeit durch die Polizei über die Grenzstraße zum Gästeblock geleitet. + + U P D A T E + +

Wir möchten an dieser Stelle erneut darauf hinweisen, dass wir über Informationen rund um den Spieltag sehr dankbar sind. Sprecht uns oder den Mitarbeiter*innen im Fanprojekt Babelsberg an oder schreibt uns, was ihr beobachtet habt oder ob ihr von Beamt*innen vor, während oder nach dem Spiel angesprochen wurdet. Wir werden in Kürze auf unserer Seite eine Möglichkeit schaffen uns anonym zu schreiben. Bis dahin könnt ihr uns per E-Mail an beobachten [ät] nur03 [Punkt] de kontaktieren.