Bericht zum Spiel gegen Hertha BSC II, 20. März 2016

Der SV Babelsberg 03 war am vergangenen Sonntag, dem 20. März 2016, am 25. Spieltag der Regionalligasaison 2015 / 2016 zu Gast bei der U23 von Hertha BSC. Das Spiel fand im Stadion auf dem Wurfplatz (Amateurstadion) in unmittelbarer Nähe des Olympiastadions statt und endete mit 0:1 aus Sicht von Nulldrei. Der Spieltag war vor allem durch ein unverhältnismäßig großes Aufgebot an Beamt*innen in Uniform und in Zivil gekennzeichnet. Außerdem wurden mindestens drei Personen in Gewahrsam genommen. Darüber hinaus wurde das Zeigen eines Banners gegen die fremdenfeindliche beziehungsweise rassistische Bewegung „Potsdam gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PoGIdA) mit der Aufschrift „Fight Pogida“ vom HBSC Ordnungsdienst untersagt.

Am Spieltag waren mindestens drei Gruppen (361xx, 362xx, 363xx), das heißt wahrscheinlich ein Zug von bis zu 30 Beamt*innen, der 3. Hundertschaft der Berliner Bereitschaftspolizei im Einsatz. Diese hatten außerdem mindestens 2 mobile Kameras dabei. Außerdem haben wir 10 Beamt*innen in Zivil gezählt. Darunter waren Polizist*innen der sogenannten Einsatzgruppe Hooligans (EGH) und der Abteilung „Politisch Motivierte Straftaten“ (PMS) beim Landeskriminalamt sowie sogenannte szenekundige Beamt*innen (SKB) aus Potsdam. Hinzu kommen mindestens 30 Ordner*innen, die rund um den Gästeblock eingesetzt wurden.

Die Anreise der Babelsberg Fans aus Berlin und Babelsberg verlief ohne besondere Vorkommnisse. Entspannt war sie dennoch nicht. Denn am Berliner Treffpunkt auf dem Bahnhof Alexanderplatz warteten mindestens 16 Bereitschaftspolizist*innen aus zwei Gruppen (362xx und 363xx) auf dem S-Bahnsteig und eine weitere Gruppe mit circa 7 Beamt*innen auf dem Regionalbahn-Bahnsteig sowie mindestens zwei Beamt*innen in Zivil auf die Babelsberg Fans. Zehn Polizist*innen (362xx und 363xx) sowie die Beamt*innen in Zivil überwachten die Fans auf der Fahrt zum Olympiastadion und auf dem Weg zum Eingang zum Amateurstadion. Am Stadion wartete eine weitere Gruppe von ungefähr sieben bis acht Bereitschaftspolizist*innen der Gruppe 361xx. Außerdem kamen drei weitere Beamt*innen in Zivil aus Potsdam hinzu.

Der Einlass verlief lange entspannt und ruhig. Lediglich das Verbot das „Fight Pogida“ Banner als offenbar ablehnenswerte Politische Äußerung mitzuführen und aufzuhängen sorgte für Unverständnis bei den Babelsberg Fans. Das die Kritik und klare Positionierung gegen eine fremden- und islamfeindliche Bewegung verhindert wurde, ist für uns nicht akzeptabel. Das Argument es handele sich bei dem Banner um eine politische Äußerung und diese muss reglementiert werden, ist auch deshalb nicht nachvollziehbar, weil sich Hertha BSC als Verein wie zum Beispiel in der Broschüre „Hertha BSC Vereinsleitbild“ und verschiedene Fangruppen mehrfach gegen Rassismus und Diskriminierung auch im Stadion geäußert haben. Dies beweist für uns, dass mit zweierlei Maß gemessen wird und Gästefans offenbar eine andere Behandlung als der eigene Verein und Heimfans erhalten.

Während des Spiels hielt sich sowohl der Ordnungsdienst als auch die Polizei zurück. Dies änderte sich aber abrupt nach dem Abpfiff. Wie schon beim Spiel in Nordhausen übernahmen die eingesetzten Beamt*innen Aufgaben des Ordnungsdienstes und räumten den Gästeblock beziehungsweise den Weg zum Amateurstadion unnötig zügig. Hierbei kam es zu Beginn der Räumung zu mindestens zwei Ingewahrsamnahmen, wodurch die Situation durch die Beamt*innen unnötig eskaliert wurde. Außerhalb des Stadions wurde eine weitere Person in Gewahrsam genommen. Die Abreise eines großen Teils der Babelsberg Fans verzögerte sich deshalb weiter, da sie auf die Freilassung der Inhaftierten warteten. Im Übrigen wuchs zu diesem Zeitpunkt die Anzahl der Beamt*innen in Zivil auf mindestens zehn Personen. Hinzu kam, dass die Polizei die Situation mit der mobilen Kamera überwachte und noch während die Fans warteten offenbar die Aufnahmen auswertete.

Neben dem unverhältnismäßig großen Aufgebot an Beamt*innen, dem Verbot des „Fight Pogida“ Banners sowie der unnötig zügigen Räumung des Gästeblocks in der damit einhergehenden Eskalation, möchten wir darauf verweisen, dass mobile Toiletten vor allem bei kalten Temperaturen (aber auch sonst) eine wenig gastfreundliche Geste ist und von Respektlosigkeit gegenüber Gästefans zeugt. Diese Praxis sollte unbedingt überdacht und korrigiert werden.