Bericht zum Spiel beim 1. FC Union Berlin, 19. April 2015

Am Sonntag, dem 19. April 2015, waren der SV Babelsberg 03 und seine Fans am 25. Spieltag der Regionalligasaison 2014 / 2015 zu Gast in der Alten Försterei des 1. FC Union Berlin. Das Spiel verlor Nulldrei mit 1:3.

Bevor wir zum Bericht kommen, möchten wir uns für die zahlreichen Hinweise und die Mithilfe der Babelsberg-Fans bedanken. Ohne eure Informationen ist ein umfassender Bericht nicht möglich. Deshalb bitten wir euch: Sprecht uns oder die Mitarbeiter*innen des Fanprojekts Babelsberg am Spieltag an, wenn ihr etwas beobachtet habt sowie wenn ihr von Beamt*innen vor, während oder nach dem Spiel angesprochen wurdet. Selbstverständlich könnt ihr uns auch schreiben. Zurzeit ist dies über Facebook oder per E-Mail an beobachten [Ät] nur03 [Punkt] de möglich. Kommen wir nun zum Spieltag zurück.

Das Polizeiaufgebot während des Spieltags war sehr hoch. Wir gehen davon aus, dass bis zu 100 Beamt*innen, unter ihnen auffällig viele Zivilpolizist*innen, im Einsatz waren. Die Anzahl der eingesetzten Ordner*innen im Stadion war ebenfalls relativ hoch. Aufgrund der zu erwartenden überschaubaren Besucher*innen muss von einer unangemessen hohen Präsenz von Sicherheitspersonal gesprochen werden.

Die Fans wurden vor allem auf dem Weg zum und vom Stadion in Köpenick begleitet und überwacht. Bei der Anreise der Babelsberg-Fans, die öffentliche Verkehrsmittel nutzten, waren keine Beamt*innen dabei. Erst bei der Ankunft am S-Bahnhof Köpenick erwarteten Gruppen der Bundespolizei (BP B 8121, 8110), Beamt*innen aus mindestens drei Einheiten der Bereitschaftspolizei Berlin (F1, F2, F3) sowie mindestens 8 Polizist*innen in Zivil die Nulldrei-Anhänger*innen. Auf dem Weg zum Stadion über die Bahnhofstraße und Lindenstraße zum Gästeeingang der Alten Försterei postierten sich die Beamt*innen an den Eingängen zu den Seitenstraßen. Außerdem folgten mehrere Polizeifahrzeuge dem Tross der Fans. Erwähnenswert ist, dass mindestens 2 Beamt*innen Kameras mit sich führten, die aber zunächst nicht zum Einsatz kamen.

Am Stadion angekommen, übernahmen die Ordner*innen des gastgebenden Vereins sowie einige Sicherheitskräfte des SV Babelsberg 03. Die Kontrollen waren weitestgehend zurückhaltend und gingen unaufgeregt vonstatten. Aus diesem Grund fiel auf, dass zwei Personen zur Ganzkörperkontrolle beiseite gerufen wurden. Angesichts der entspannten Situation am gesamten Spieltag muss diese Maßnahme als völlig überflüssig betrachtet werden.

Erwähnt werden muss an dieser Stelle, dass es noch vor Anpfiff beim Einlass zu einer repressiven Maßnahme der Polizei kam. Eine Person wurde erpresserisch zu einer Personenkontrolle aufgefordert. Das heißt, weitestgehend unbekannt wurde die Person vor die Wahl gestellt. entweder „freiwillig“ die Personalien abzugeben oder einen gewaltsamen Zugriff zur Ingewahrsamnahme zu riskieren. Hintergrund dieser Maßnahmen sind Ermittlungen rund um die Eskalation beim Auswärtsspiel beim Berliner Athletik Klub am 21. Februar 2015, bei dem nach Spielende mehrere teilweise minderjährige Personen in Gewahrsam genommen wurden. Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die Polizei bereits mehrfach zur Durchsetzung repressiver Maßnahmen im Zusammenhang mit Ermittlungen im Zuge vermeintlich begangener Straftaten ein Bedrohungsszenario aufgebaut und die betroffenen Fans in erpresserischer Absicht unter Druck gesetzt haben.

Während des Spiels wurde der Gästeblock von einer Kamera auf der Tribüne auf der Ebene des V.i.P.-Bereichs durchgehend abgefilmt. Hinzu kommt, dass zum Anpfiff zur ersten als auch zur zweiten Halbzeit von der Ecke Gästeblock / Tribüne sowie aus dem oberen Bereich des Blocks neben dem Gästeblock ebenfalls die Babelsberger*innen abgefilmt wurden. Außerdem beobachteten mindestens zehn Beamt*innen in Zivil die Situation von der Ecke Tribüne / Gästeblock. Unabhängig von dieser massive Kamera-Überwachung und Beobachtung durch Zivilpolizist*innen gab es keine besonderen Vorkommnisse.

Auf dem Rückweg nach dem Spiel wurden die abreisenden Nulldrei-Fans erneut von Berliner Bereitschaftspolizist*innen überwacht. An der Brücke über die Wuhle in unmittelbarer Nähe des Stadions wurde in zwei Situationen die Fantrennung durch die Beamt*innen abgesichert. Während des folgenden Rückweg zum S Bahnhof Köpenick begleitete eine Gruppe (F13…) rechts neben den ersten Reihen der Fans zunächst dicht, später relativ lose sowie mehrere Fahrzeuge der Bereitschaftspolizei den Zug der Fans. Erneut waren an den Eingängen zu den Seitenstraßen Beamt*innen postiert. Die Rückfahrt selbst begleiteten mindestens 10 Beamt*innen der Bundespolizei (BP B 8531, 8511 und mehrere ungekennzeichnete Polizist*innen) die Fans bis zum Bahnhof Bellevue.

Aufgrund des entspannten Verlaufs des Spieltags, der allerdings mit einer erpresserischen Personenkontrolle sowie zwei unnötigen Ganzkörperkontrollen seinen negativen Höhepunkt hatte, kann bis auf die erwähnten Maßnahmen von einem respektvollen Umgang mit den Fans gesprochen werden. Die Versorgungs- sowie hygienische Situation im Stadion waren in Ordnung. Erwähnenswert ist jedoch eine unfreundliche und pöbelnde Person, die sich um die Reinigung der Toiletten kümmern und nicht die Fans beleidigen sollte.