Bericht zum Spiel in Cottbus, 19. November 2016

Am 19. November 2016 war der SV Babelsberg 03 auswärts im Stadion der Freundschaft beim FC Energie Cottbus zu Gast. Das 14. Spiel in der Regionalligasaison 2015 / 2016 begann um aufgrund der Live-Übertragung durch den Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) um 14:05 Uhr und endete mit 0:3 aus Sicht von Nulldrei. Der Spieltag verlief trotz der Brisanz weitestgehend ruhig. Insgesamt waren mindestens 200 Bundes- und Bereitschaftspolizist*innen sowie mindestens vier fankundige Beamt*innen aus Berlin und weitere aus Cottbus im Einsatz, welche die Babelsberg-Fans sowohl bei der Anreise, am Einlass, beim Spiel und bei der Rückreise überwachten. Wir gehen aber davon aus, dass am Spieltag weit mehr als die für uns nachvollziehbaren 200 Beamt*innen im Einsatz waren. Bis auf die permanente Überwachung der Änhänger*innen auch durch mobile Video- und Fotokameras, eine unnötige Provokation beim Zurücklaufen der Fans vom Stadion zum Bahnhof, haben wir keine repressiven polizeilichen Maßnahmen beobachtet. Erwähnt werden müssen die anti-antifaschistischen und antisemitischen Tags in der Innenstadt wie zum Beispiel “Zecke verrecke”, “Babelsberg vergasen”, “Juden Babelsberg” und “Juden Nulldrei” sowie der Sexismus des Cottbusser Sicherheitsdienstes und Anhangs.

Isgesamt haben wir über 20 Halbgruppen mit den Kennzeichnungen 1000-1004, 1110-1113, 1122, 1133, 1401-1403, 1410-1414, 1422, 1423, 1234, 1500, 1542 sowie 1532 beobachtet, welche die Babelsberg-Fans überwachten. Hinzu kommen mindestens vier fankundige Beamt*innen, die bereits am Trefffpunkt der aktiven Fans in Babelsberg die Überwachung begannen, noch einmal in Berlin auf dem Bahnsteig waren und auch in Cottbus die Überwachung fortsetzen. Außerdem konnten wir vier weitere Beamt*innen in zivil beobachten, die in einem silbernen PKW unterwegs waren und ebenfalls die Gäste-Fans überwachten. Während des gesamten Spiels überwachten zwei Beamt*innen mit der Kennzeichnung 1512 mit einer mobilen Videokamera und einer Fotokamera den Gästeblock. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass der Polizist* mit der Fotokamera über mehrere Minuten offenbar Portrait-Bilder von einzelnen Babelsberg-Fans gemacht haben muss. Für uns erschließt sich nicht, wie diese Überwachungsmaßnahme rechtlich gerechtfertigt ist. Wir werden deshalb gegebenenfalls prüfen lassen, was dagegen unternommen werden kann und informieren euch. Außerdem überwachten circa 40 bis 50 Bundespolizist*innen die Fans bei der Anreise ab Königs Wusterhausen sowie bei der Rückreise bis zum Hauptbahnhof Potsdam.

Das Sicherheitspersonal des gastgebenden Teams verhielt sich weitestgehend freundlich und zurückhaltend. Trotzdem konnten sich einige der Ordner*innen dumme Sprüche nicht verkneifen. So wurde uns bereichtet, dass es zu sexistischen Sprüchen kam. In diesem Zusammenhang sollte auch erwähnt werden, dass auf der Tribüne durch Cottbus-Fans mehrere T-Shirts oder Schilder mit Buchstaben gezeigt wurden, die zusammen “FOTZEN NULLDREI” ergaben.

Außerdem muss erwähnt werden, dass erneut Beamt*innen der Einheiten 1411 und 1412 in unmittelbarer Nähe der Fans eingesetzt wurden. Damit bewies die Einsatzleitung ihre Unsensibilität gegenüber den von Polizeigewalt beim Pokalfinale Betroffenen, die vor allem von den genannten Einheiten ausging. Wir fordern an dieser Stelle die Brandenburger Polizei dringend dazu auf, sich mit dem Thema Re-/Traumatisierungen zu beschäftigen und entsprechend zu handeln. Dazu gehört ausdrücklich die Vermummung der eingesetzten Beamt*innen zu vermeiden und in jedem Fall den Einsatz der Luckenwalder Gewaltverbrecher*innen in Uniform zu unterlassen. Dieser Appell richtet sich außerdem an den Verein SV Babelsberg 03 und den Fangremien sowie das Fanprojekt, in zukünftigen Sicherheitsgesprächen mögliches Re-/Tramatisierungspotenzial wahrzunehmen, zu reflektieren und sensibel darauf zu reagieren.

Die meisten Babelsberg-Fans nutzten für die An- und Rückreise den Öffentlichen Personennahverkehr. Offenbar waren weder die Deutsche Bahn (DB) noch die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (ODEG) darauf vorbereitet. Insbesondere der Zug nach Cottbus verfügte über zu wenige Waggons, sodass viele Menschen – auch andere Reisende – stehen mussten. Die Versorgung mit Getränken und Fleischgerichten war im Stadion gegeben. Es ist anzumerken, dass insbesondere die Preise für die nicht-alkoholhaltigen Kaltgetränke mit 4 Euro pro halbem Liter für die Regionalliga einen Negativrekord darstellen. Die sanitären Anlagen waren in Ordnung, jedoch fehlte Handwaschseife.