Solisause mit Gehirnjogging und Schwof

Wir dokumentieren an dieser Stelle den Bericht zur “Wer? Wie? Was? Solisause” am 28. Februar 2015, in der wir unsere (alte) neue Initiave vorgestellt haben. Der Text erschien im Nordkurven Zine “Ultra Unfug” (Nummer 210) zum Spiel gegen FSV Budissa Bautzen. Die Party hat Spaß gemacht. Wir möchten uns deshalb an dieser Stelle beim Spartacus, den zahlreichen Helfer*innen, den Freund*innen sowie den Gästen, die sich informieren und zusammen mit uns feiern wollten, ganz herzlich bedanken. Ein besonderer Dank geht hierbei an die Referent*innen von der Roten Hilfe Potsdam und vom Arbeitskreis für die totale Einsicht (AKtE) sowie das DJ Team Ramrod und DJ Slingshot. Die Notwendigkeit zur Sensibilisierung und Information zu den Massnahmen der Behörden beweisen zum einen die Meldeauflagen und Betretungsverbote zum Spiel gegen Magdeburg und das Polizeiaufgebot beim selben Spiel. Wir bleiben auf jeden Fall dran und informieren euch wie schon vor ein paar Tagen geschehen zum Thema weiter. Bis dahin genießt den Bericht und jene, die da waren, erinnert euch an eine schöne Feier.

Am 28. Februar, vor gut zwei Wochen, feierte „Fußballfans beobachten Polizei“ im Spartacus sein Comeback. Schon seit Monaten arbeiteten einige engagierte Fans aus der Nordkurve daran die etwas eingeschlafene Initiative wieder aufleben zu lassen. Offenbar war der Ansatz der neuen Leute aber von Anfang an gleichzeitig sehr viel umfassender aber andererseits auch eingeschränkter. Denn schließlich deutete die Veranstaltung „Rechts ABC“ im Dezember (siehe Bericht im Ultra Unfug #209) zur Einführung in Polizei-Sprech sowie die Input-Gäste von der Roten Hilfe Potsdam und dem Arbeitskreis für die totale Einsicht (AKtE) an, dass die neue Initiative nicht nur beobachten, sondern auch informieren und intervenieren möchte. Der Name des neuen Netzwerks zur Unterstützung repressionsbetroffener Nulldreier*innen, abgekürzt nur03★, dagegen verweist auf die Beschränkung auf den SV Babelsberg 03 und seine Fans. Das Netzwerk will aber dennoch ganz schön viel. Es gibt die drei Arbeitsbereiche Fußballfans beobachten, beraten und informieren. In zwei Wochen ist auch schon einiges passiert. Während die Facebook- und die Twitter-Seite schon zum Magdeburg Spiel Online waren, folgte die Homepage unter www.nur03.de wenige Tage später. Bisher wurden die Vorstellung der Initiative und der einzelnen Arbeitsbereiche sowie die Beobachtungsberichte zu den ersten drei Spiele der Rückrunde beim BAK, zu Hause gegen Magdeburg und auswärts in Neustrelitz veröffentlicht. Aber kommen wir zur Comeback-Release-Party zurück…

Die Pforten des Spartacus öffnete so circa halb neun. Leider nur sehr langsam füllte sich die Lokalität. Der Beginn der Infoveranstaltung verzögert sich um eine Stunde. Aber für diejenigen, die da waren, hat sich das Warten gelohnt. Moderiert von der feschen Fanprojektmitarbeiter*in begann der Party-Abend mit ein bißchen Gehirnjogging. Zunächst erzählte ein*e Vertreter*in der Roten Hilfe Potsdam über das Repressionsexperimentierfeld Fußballstadion und Fans. Einiges war schon bekannt, anderes aber durchaus neu. Zum Beispiel war mir nicht bewusst, dass die Behörden die jeweiligen Vereinsfanszenen politisch sortieren und dementsprechend in den Eintragungen der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) auch die vermeintliche politische Motivation gespeichert wird. Dies ist durchaus bemerkenswert, da ein Abgleich mit anderen Datenbanken wie zum Beispiel der zu „linksextremistischen Gewalttätern“ sehr wahrscheinlich ist. Das heißt, die Behörden machen offensichtlich keinen Unterschied zwischen Politik und Fußball. Außerdem sollte uns allen bewusst sein, dass aktive Fußballfans nicht nur kriminalisiert, gespeichert und kategorisiert sondern auch überwacht werden. Deshalb ist es wichtig jeden Anquatschversuch oder Kontaktaufnahme öffentlich zu machen, denn die Cops sowie ihre Brüder und Schwestern in zivil meiden die erfrischende Öffentlichkeit, wie die Teufel das Weihwasser. Darauf hat nur03★ in den letzten Berichten übrigens explizit hingewiesen und darum gebeten, dass betroffene Personen auf jeden Fall das Gespräch mit Vertrauten, dem Fanprojekt oder dem Netzwerk suchen sollten.

Und das bringt mich gleich zum nächsten Thema. Im Zuge einiger Anfragen bei der Polizei, der ZIS und dem Verfassungsschutz hat sich der Arbeitskreis für die totale Einsicht, kurz AKtE, gegründet. Diese Initiative hat sich zur Aufgabe gemacht über die Überwachung durch die Dienste in Potsdam zu informieren, zu beraten und als Ansprechpartner*in zur Verfügung zu stehen. Für uns Fußballfans ist besonders relevant, dass durch die Antworten auf Anfragen von einer flächendeckenden Überwachung der Babelsberger Fanszene seit dem Jahr 2007 ausgegangen werden muss. Entgegen den Beteuerungen des brandenburgischen Innenministers Karl-Heinz Schröter, dass keine Bespitzelung des SV Babelsberg und seiner Fans mit nachrichtendienstlichen Mitteln durchgeführt wird, gibt es Nachweise für genau das Gegenteil. Deshalb sollten möglichst viele von uns, um böse Überraschungen wie ein Ausreiseverbot auf dem Weg in den Urlaub oder Betretungs- und Aufenthaltsverbote bei Spielen oder Demos zu vermeiden, Anfragen bei verschiedenen Behörden stellen. Bevor ihr aber eure Anträge versendet und eventuell zu viele Infos preisgebt, informiert euch am Besten. Eine gute Quelle ist die Seite einer*s Betroffenen aus Babelsberg unter vsgeschichten.tumblr.com sowie die Seite www.datenschmutz.de, wo ihr Anträge generieren könnt. Aber selbstverständlich hilft bestimmt auch nur03★ weiter, wenn ihr dazu Fragen habt.

Nachdem das ernste Thema Repression und Überwachung sowie Interventionsmöglichkeiten durchaus kurzweilig und amüsant das Gehirn in Gang gebracht hatte, wurde der bis dahin geheimgehaltene Name der neuen Initiative enthüllt. Ihr kennt ihn ja schon. Da kann ich den ganzen Trommelwirbel, die beinah bis zur Unerträglichkeit ausgereizte Spannung, das Konfetti… na das kann ich alles vergessen. Auf jeden Fall wurde danach der Sekt gereicht und das Team Ramrod kitzelte das Tanzbein hervor. Bei Roots Reggae, Ska, 80er, 90er… kurz All Time Favorites wurde bis tief in die Nacht mit jeder Menge Konfettiregen ordentlich geschwoft. Später übernahm DJ Slingshot und testete die Anlage nochmal richtig aus. Da waren aber einige schon am pennen. Denn schließlich stand mit der Partie gegen Magdeburg ein Highlight der Saison auf dem Spielplan. Und auch die neue Initiative wollte sich im Stadion zeigen. Denn auch den anderen Nulldreier*innen sollte präsentiert werden, dass „Fußballfans beobachten Polizei“ wieder da ist. Und zwar noch bunter, noch größer und noch frecher!